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Gott, bitte hilf mir...

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, daß du mein Elend ansiehstund
erkennst meine Seele in der Not.
(Psalm 31, 8)


Gott hilft dir wirklich, geglaubt habe ich an Gott jedoch nicht,
jedenfalls nicht so radikal. Bis zu jenem Zeitpunkt als ich Ihn wirklich mal
brauchte. Das war vor ca. 9 Jahren, während meiner Ausbildung
zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin (ReNo). Ich war von Anfang an
hoffnungslos schlecht in der Berufsschule, hab meine Zwischenprüfung mit einer
superglatten,„leistungsstarken“ Note 5,0 total verhauen. ;o)Doch was soll’s,
es war ja nur die Zwischenprüfung, meine Note in sämtlichen Fächer sahen doch
genauso aus. Als es dann aber auf die Abschlussprüfung zuging, war die ganze
Sache schon nicht mehr so komisch. Es ging auf einmal nicht mehr nur um eine
Note sondern um meine berufliche Zukunft und um mein Selbstwertgefühl, an dem
schon seit einiger Zeit von den lieben Arbeitskollegen und Familienmitgliedern
dran rumgekratzt wurde. Niemand möchte gern als Versager dastehen, nicht
einmal ich. Ca. 2 Wochen vor der Abschlussprüfung stellte man eine neue ReNo
ein (eine fertige natürlich) die für den Anwalt arbeiten sollte für den ich
eigentlich bestimmt war. Das gab mir dann zu denken und ich fing an zu lernen.
Ich habe in den nächsten 2 Wochen vielleicht 10 Stunden geschlafen, habe mich
mit Kaffee, Aufputschmitteln (der legalen Art allerdings)
und Kopfschmerztabletten wachgehalten um 3 Jahre Schulstoff in diesen 2
Wochen aufzuholen. Ich muss dazu sagen (dass soll jetzt echt
keine Entschuldigung für meine Faulheit sein oder so), dass zum Zeitpunkt
meiner Ausbildung sich meine Eltern haben scheiden lassen, auf leider nicht
sehr friedliche Art und Weise. Meine Mutter hat einfach ihre Sachen
zusammengepackt und ist gegangen, mit einem lieben Abschiedsbrief in dem
sinngemäß drinstand: „Ich verlasse euch, weil mir Kerstin (das bin ich) gesagt
hat ich solle lieber gehen“. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen wie das
von meinen Geschwistern (es gibt noch 2 ältere Brüder, eine ältere Schwester,
eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder von mir) aufgefasst wurde.
Ich bekam gleich erstmal den süßen Spitznamen „Hausdrache, Furie, Zicke“
u.s.w. Und ich sollte im Laufe der Zeit diesen Namen alle Ehre machen. Nicht,
dass ich schon genug mit der doofen Ausbildung zu tun gehabt hätte... nein
meine älteren Geschwister haben sich bei der Aussicht auf die nun anfallende
Hausarbeit so nebenbei, ganz schnell aus dem Staub gemacht. Also, musste ich
wohl mal die Ärmel hochkrempeln und auf die Schnelle kochen, Wäsche waschen,
Bügeln lernen, zudem meinen jüngeren Geschwistern durch die Schulzeit helfen
(es waren beides Sitzenbleiber-Kandidaten) und einen völlig geknickten Vater
auf die Beine helfen und mich Fluchs in eine Seelsorgerin verwandeln. Deshalb
blieb zum Lernen nur noch die Nacht übrig, um die anderen nicht auch noch
damit zu belasten. Nun denn, die Prüfung rückte näher, meine Ausbilder
und Mit-Azubis in der Kanzlei waren ja der festen Überzeugung, ich brauch
nicht mehr lernen, da ich die Prüfung unmöglich schaffe. Ich habe trotzdem
gelernt was ich konnte, was aber leider nicht viel war, da mein Kopf schon
überquoll mit allmöglichen anderen Gedanken. Die Prüfung war in drei Teile
gegliedert: 1 x die technische Prüfung (Stenografie und Maschineschreiben), 1
x die Hauptprüfung und zum Schluss die mündliche Prüfung. Man durfte in
keinem der 3 Teile schlechter als 4,5 sein.Tja, für den ersten Teil konnte
ich nicht lernen, weil man dazu zwingend einen Lehrer braucht der einem z.B.
diktiert was man stenografisch niederschreiben soll. Also hab ich in der
Prüfung da gesessen und darauf gewartet, dass die Prüfer anfangen zu diktieren.
Stenografie war mein absolut schlechtestes Fach damals. Ich wollte eigentlich
gar nicht erst mitschreiben, so wie meine beiden Banknachbarn es taten, dann
aber hab ich den Stift doch in die Hand genommen und legte los so schnell ich
konnte (hmm. Mal zur Erklärung für die, die nicht wissen was Stenografie
eigentlich ist: es ist eine Schnellschrift die mehr aus Punkten und Strichen
besteht damit die ReNo so schnell schreiben kann wie ein Mensch normalerweise
spricht.). Danach war Maschineschreiben dran (das einzige Fach in demich gut
war mit Note 4), und es passierte das absolut allerschlimmste, was passieren
konnte. Ich habe mich in der Zeile beim Abschreiben vertan und habe am Schluss
nicht einmal die Mindestanzahl der Anschläge die man zum Bestehen dieser
Prüfung braucht geschafft. Dies bedeutete für mich das Aus. In Steno war ich
fest davon überzeugt, dass ich mehr als 6 Fehler hatte was bedeutet du
bistdurchgefallen und in Maschineschreiben hatte ich eh meine 6. So
niedergeschlagen musste ich nach der Prüfung ja leider wieder zur Arbeit
gehen und mir den von den Ausbildern anhören, dass ich morgen ja dann gar nicht
erst zum 2.Teil der Prüfung gehen brauch, dann kann ich ja auch arbeiten
kommen. Dermaßen aufgebaut, habe ich mich dann endlich nach langerlanger Zeit
mal wieder hingesetzt und gebetet. Ich fragte erst mal ganz vorsichtig an ob
ER mich denn überhaupt noch kenne und ob er mir nicht helfen könne den
morgigen Tag heil zu überstehen. Ich betete eine stunde und legte mich dann
schlafen ohne mich noch auf irgendwas vorzubereiten. Am nächsten morgen ging
ich dann zur Prüfung (die dauerte ewiglange 4 Std.). Ich schrieb die Antworten
auf das Papier und hatte ein sehr schlechtes Gefühl dabei, auch weil ich ja
Gott erst in der Nacht vor der Prüfung überhaupt um Hilfe gebeten habe. Doch
ob ihr es glaubt oder nicht, er hat mich erhört. Ich habe es selbst nicht
geglaubt aber ich habe in allen Fächern (sogar Stenografie und
Maschineschreiben) die Note 3 bekommen und die mündliche Prüfung war dann nur
noch ein Klacks. Ich sag’s euch, selbst wenn ihr auf den letzten Drücker
euch an IHN wendet, wird er euch noch helfen. Dafür danke ich meinem HERRN, von
ganzem Herzen. Auch wenn es mir erst ein Jahr später bewusst geworden ist, und
ER mir noch sehr oft aus der Not geholfen hat, eh ich es endlich kapiert habe.
;o) Diese Geschichte geht natürlich noch weiter, ich habe eine Menge mit IHM
erlebt, aber dass kommt dann ein anderes mal.
Eure Kerstin


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