W o z u ?
(von Wilhelm Busch)
Wozu?
Furchtbare Geschehnisse gibt es in der Welt. Und wenn wir in der Zeitung
davon lesen, taucht die Frage auf: "Gott?! Wie kann Er das alles
zulassen?!"
Aber ganz anders noch bedrängt uns diese Frage, wenn es uns selber
trifft. Wenn etwa ein liebes Kind uns entrissen wird. Oder wenn ein furchtbarer
Schlag unser Leben aus dem Gleise wirft. Dann wird die Frage nicht mehr
theoretisch gestellt. Dann brennt sie in uns wie Feuer: "Warum geschah
mir das ? Wie konnte Gott mir das antun?"
Wir kommen nicht zur Ruhe, wenn wir keine Antwort finden. Da hat mir nun
einst ein Bergmann, Amsel hieß er, gewaltig geholfen.
Er war ein großer, starker Mann gewesen, der sich weder um Gott
noch um den Teufel kümmerte. Eines Tages war er auf der Zeche unter
das Gestein geraten. Ich hörte von ihm, er sei "querschnitt-gelähmt".
Da machte ich mich auf, ihn zu besuchen. Ich traf ihn in seiner Wohnung.
Dort saß er im Fahrstuhl. Um ihn her ein paar Kumpels. Als ich in
der Tür erschien, ging ein höllisches Gebrüll los: "Nun,
du Pfaffe? Wo war denn dein lieber Gott, als der Stein mich traf? Scher
dich zum Teufel mit deinem Geschwätz!"
Es war so furchtbar, dass ich kein Wort hervorbrachte und still wegging.
Aber nun nahmen sich ein paar Bergleute um ihn an, die wahre Christen
geworden waren. Sie zeigten ihm den Weg zu Jesus, in dem Gott uns sein
Heil schenkt. Da ging eine große Veränderung mit dem Manne
vor. Er fand Vergebung seiner Sünden und völligen Frieden mit
Gott.
Eines Tages besuchte ich ihn. Er saß im Fahrstuhl vor seiner Wohnung
auf der Straße. Wir beiden waren inzwischen gute Freunde geworden,
die sich so nahestanden, daß wir "Du" zueinander sagten.
Ich setzte mich auf die Hausstaffel neben ihn. Denn ich merkte ihm an,
dass er mir heute etwas Wichtiges sagen wollte. Und das kam denn auch:
"Weißt Du", sagte er, "ich habe den Eindruck, dass
ich nicht mehr lange lebe auf dieser Erde. Aber ich weiß ja nun,
wohin ich gehe, wenn ich hier die Augen schließe. Wenn ich dann
vor Gott komme, will ich vor Ihm niederfallen und Ihm danken, dass Er
mir die Wirbelsäule zerschlagen hat!"
"O Amsel! Was sagst du da?" schrie ich auf.
Er aber lächelte nur und erklärte: "Wenn das nicht gekommen
wäre, dann wäre ich auf meinem Verderbensweg fern von Gott weitergelaufen
- bis in die Hölle hinein. Da musste Gott hart zugreifen, wenn Er
mich zu Seinem Sohn, meinem Heiland, ziehen wollte. Ja es war hart. Aber
- es war zu meinem ewigen Heil."
Er machte eine Pause. Und dann sagte er langsam: "Es ist besser,
als Krüppel in den Himmel einzugehen, denn als gesunder Mensch mit
zwei Beinen in die Hölle zu springen."
Ich fasste seine Hände: "Amsel! Du hast eine harte Schule Gottes
erlebt. Aber - sie war nicht vergeblich. Du hast deine Lektion gelernt."
Und wir dachten mit Erschütterung an all die Menschen, die Hartes
erleben - und die doch das liebende Rufen Gottes darin nicht hören.
Es gibt ein Lied, in dem die Frage aufgeworfen wird: "Warum gibt
es denn so viele Tränen und so viel Leid? Und dann heißt die
Antwort:
Daß nicht vergessen werde,
was man so leicht vergißt,
daß diese arme Erde
nicht unsre Heimat ist.
(auszugsweise entnommen aus T+E 41, Hrsg.: Verbreitung der Heiligen Schrift,
D-35713 Eschenburg; Foto: Oscar Poss - Bavaria.)
Wenn du diesen Text kopieren verfielfältigen möchtest,
schau dir bitte vorher das Impressum
an.
|